Flachlandvölker leben in den weiten Ebenen und warmen Savannen. Anders als Nomaden- und Streitwagenclans reisen sie zu Fuß, leben aber wie diese ebenfalls meist von der Viehhaltung. Ihre Herden von Schafen, Ziegen, Rindern oder anderen Tieren sind der Mittelpunkt ihrer Lebensweise und ermöglichen ihnen, Gegenden zu nutzen, die sich nicht für Ackerbau eignen. Viehhaltende Völker ziehen meist herum und sind so unabhängig von Städten und Staaten (oder versuchen es zumindest). Zu den bekanntesten dieser Volksgruppen gehören die afrikanischen Massai, Turkana, Nuer und andere. Sie leben hauptsächlich vom Blut, Fleisch und der Milch ihrer Rinderherden. Auch der Status einer Person hängt von der Größe und dem Zustand ihrer Herde ab, mit der auch Brautpreise bezahlt werden. Doch diese Völker sind keine Nomaden. Die Nuer aus dem Südsudan beispielsweise lebten im vergangenen Jahrhundert in festen Siedlungen. Laut dem Ethnologen E. Evans-Pritchard war ihre Gesellschaft weitestgehend klassenlos und egalitär, mit Ausnahme eines "Leopardenfell-Häuptlings", dessen Aufgabe es war, Unstimmigkeiten zu bereinigen.
Doch eine fehlende Hierarchie ist nicht mit Pazifismus gleichzusetzen. Viele Flachlandgruppen ergänzten ihren Lebensunterhalt durch kleinere Raubzüge oder durch Tribute. Die Nuer und die Dinka waren erbitterte Rivalen und sind es auch heute noch. Die Massai in Kenia sind weiterhin für ihre Waffen bekannt, besonders die speerartigen "Ol Alem"-Schwerter. Massai-Krieger reiten nicht, aber ihre Geschwindigkeit ist weltberühmt - wie der anhaltende Erfolg rekordbrechender kenianischer Läufer beweist!