"So Gott will" ist das Mantra jeder Theokratie, ganz gleich, welche Religion dahintersteht. Eine Theokratie ist, vereinfacht gesagt, eine Regierungsform, in der eine Gottheit die unmittelbare Autorität ist, die üblicherweise durch menschliche Würdenträger vertreten wird, die das Wort Gottes für das Volk interpretieren. In einer reinen Theokratie besitzt der menschliche Anführer eine direkte Verbindung zu Gott - Moses für die Israeliten, Mohammed für die Araber, Joseph Smith für die Mormonen, der Papst für den Vatikan, der Ajatollah für die Islamische Republik Iran etc. Die meisten Beispiele von Gottesstaaten in der Menschheitsgeschichte sind tatsächlich jedoch nur "Quasi"-Theokratien, in denen der Herrscher ein Halbgott ist oder behauptet, einen göttlichen Auftrag zu haben. Dabei gilt stets, dass die Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat Ketzerei ist. Und jeder weiß, was mit Ketzern passiert.
Im alten Ägypten wurde der Pharao als Halbgott angesehen, genau wie der Herrscher der Azteken. In anderen Fällen war die göttliche Verbindung nicht ganz so stark, aber wirksam genug, um im weltlichen Reich für Gehorsam zu sorgen. Aufgrund ihrer Natur zeichnen sich Theokratien durch ein hohes Maß an Patriotismus (so ist ein Aufruf zum Krieg eine Glaubensangelegenheit, der jeder Bürger nachzukommen hat), guter Organisation in Form eines Tempels und hoher Produktivität aus. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sie oft starr sind und nur langsam reagieren, wodurch sie in Krisenzeiten anfällig für einen Zusammenbruch sind.