Im Krieg geht es nie ausschließlich darum, die gegnerischen Armeen zu besiegen. Ein Sieg erfordert stets, die Mittel und Moral des Gegners zu zerstören, damit er nicht länger Krieg führen kann. Diese Art der Verwüstung war den Zivilisten von der Antike bis in die späte Renaissance hinein bereits allzu vertraut, doch die technischen Fortschritte der industriellen Revolution machten schnelle, großangelegte Zerstörung zu einer legitimen militärischen Strategie.
Die Politik der verbrannten Erde raubt dem Gegner die Fähigkeit, Krieg zu führen, indem man seine Nahrung, Vorräte, Infrastruktur und alles andere zerstört, was ihm dienlich sein könnte. Zar Alexander I. von Russland ließ die russische Landschaft verbrennen, um die Invasion durch Napoléon Bonaparte 1812 aufzuhalten. Mit dieser Politik der verbrannten Erde verwüstete Alexander lieber das eigene Ackerland als zuzulassen, dass sich die Großarmee davon ernährte. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs wandte General William T. Sherman die Politik der verbrannten Erde in feindlichem Gebiet an. Bei seinem "Marsch zum Meer" sorgte Sherman für die Verwüstung von Hunderten Meilen Eisenbahnstrecke, die Plünderung von Millionen Pfunden an Lebensmitteln und die Verbrennung von militärischen Zielen sowie zivilem Eigentum.
Bis zu einem gewissen Grad setzten zwar viele Nationen die Praxis der verbrannten Erde ein, aber im Zweiten Weltkrieg nahm sie neue Ausmaße an. Ein tragisches Beispiel bietet die deutsche Invasion der Sowjetunion. Was die sowjetischen Truppen nicht selbst während des deutschen Vormarschs zerstörten, vernichteten die deutschen Streitkräfte, als sie sich drei Jahre später zurückzogen. Die Auswirkungen für die Zivilbevölkerung waren, wie man bei den späteren Konflikten in Korea und Vietnam erneut sehr deutlich sah, so grauenhaft und umfassend, dass man die Strategie 1977 in der Genfer Konvention ächtete.